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Kirchenmusik im Münster zu Herford – Orgeln im Münster – |
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1684/85 wurde mit Hinrich Reinking aus Bielefeld ein Vertrag über folgende Disposition geschlossen. Er wurde in Springladenbauweise und mit 5 Bälgen ausgeführt:
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Dieses Instrument wurde sogleich nach der Fertigstellung heftig kritisiert, denn Reinking bittet die Herforder Fürstäbtissin noch 1692 um einen, wohl wegen Nachbesserungen ausstehenden Geldbetrag. 80 Jahre später 1763/65 erfolgte ein weiterer Umbau durch Johann Patroklus Möller mit der Erweiterung um ein erneuertes (!) Rückpositiv (“... das Andere alles und sonderlich das Rückpositiv ganz neu gemacht worden”. Folglich könnte auch vorher ein Rückpositiv da gewesen sein !) und 14 Register auf Springladen, und vier neuen Bälgen von je 12’ Länge und 5 ¾’ Breite. Der neue Prospekt war 31’ breit, nach Aufstellung des neuen Werkes bildete die Orgelfassade, in der sich die Pedaltürme bogenförmig ans Hauptwerk anschlossen, “eine brillante Fronte”. Im gesamten Prospekt standen die klingenden Pfeifen von Prinzipal 16’ (Pedal) und Octave 8’ mit zum Teil 12’ langen Kondukten, sowie im Rückpositivprospekt von Prinzipal 8’. Möller zog die Orgel vor, “so dass sie über die Mauer und dem Altar, dem ersten Bogen und Pfeiler am Chore […] zu stehen gekommen, da es vorher hinter dem Bogen und auf den hölzernen Pfeilern der Prieche gestanden.” Die Orgel präsentierte sich nun optisch sehr eindrucksvoll auf einem Lettner vor dem hohen Chor des Münsters. Zuvor stand die Orgel also auf einer hölzernen Empore hinter dem Lettner. Dieser Lettner wurde um 1868 abgerissen, und die durch ihren warmen und fülligen Klang in etlichen Quellen gerühmte Orgel verschwand spurlos. Nur eine Tafel auf der sogenannten Schlafhausempore zeugt noch von ihrer Existenz.
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1836-42 waren Reparaturen durch Orgelbauer Kummer aus Minden nötig und 1867 nach einem Gutachten des Herforder Orgelbauers Meyer stand die Orgel trotz der Bemühungen des Orgelbauers Kummer immer noch im Chorton, damals etwa 1/4 Ton über dem Kammerton, was das Zusammenspiel mit den Stadtmusikanten erschwerte. Der Zustand der Orgel vor 1869 ist folgendermaßen überliefert:
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Nach Abriss des Lettners 1868 erfolgte in darauf folgenden Jahr “unter dem Thurm, hinter der Taufe”, also vermutlich am westlichen Ende des Münsters unter dem Nordturm, ein Neubau durch Friedrich Meyer/Herford mit zwei Manualen und Pedal und 35 Registern auf mechanischer Schleiflade. 1891 erweiterte Meyer das Instrument auf drei Manuale mit 52 Registern. Zu dieser Zeit rückte die Orgel auf der neu errichteten Westempore in das Zentrum zwischen beide Türme und bekam statt der vorhandenen vier Kastenbälge zwei neue Magazinbälge. Ihre Disposition war 1891:
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Im Jahre 1917 mussten die zinnernen Prospektpfeifen für Rüstungszwecke abgeliefert werden und 1920 wurde das Instrument durch den Lippischen Orgelbauer Ernst Klassmeier umgebaut. Der größte Teil des Pfeifenbestandes wird übernommen, nur die Register Gamba 8' und Cello 8' werden neu gebaut, das II. Manual erhält einen Piccolo 2' als Auszug aus dem Scharff, das Pedal eine Zartbaß 16' als Transmission aus dem II. Manual. Der technische Teil wird vollständig neu konstruiert, die Manuale I und II sowie das Pedal bekamen pneumatische Kegelladen, die Kegellade des Manual III wurde pneumatisiert. Der Umbau befriedigte jedoch nicht, denn die Pneumatik arbeitete nur sehr fehlerhaft, Klassmeier wurde per Urteil zum Nachbessern gezwungen, konnte aber die grundlegenden Konstruktionsfehler nicht beheben. 1921/22 arbeitete Klassmeier wieder am Instrument, doch konnte er die Mängel nicht beseitigen. Ein neuer Spieltisch samt Umwandlerstation für den Spielwind wurde gefertigt. Verschiedene Gutachter (Karl Straube, Orgelbauer Giesecke) gaben wenig positive Urteile über das Instrument ab. 1923 wird ein Kostenvoranschlag bei Furtwängler & Hammer eingeholt: Sämtliche Zungenregister, einige andere Register und der elektrische Winderzeuger sollten ersetzt und der Jalousieschweller repariert werden. Die Bombarde 32' sollte entfernt werden und gleichzeitig sollte die Orgel umintoniert werden. Klassmeier wurde aus dem Vertrag entlassen und ausbezahlt. Der Umbau wurde nicht ausgeführt, sondern lediglich die nötigsten Reparaturen geschahen. 1925 wurde durch Furtwängler & Hammer die Registerschaltung umgebaut, vermutlich eine Walze eingebaut und im Pedal die Oktave 4' durch einen Choralbaß 4' ersetzt. Die Orgel verfiel in der Folgezeit zusehends, bis ein Bombentreffer des zweiten Weltkrieges ein Übriges tat. In den Nachkriegsjahren 1949/51 wurde mit großem Einsatz der damaligen Münstergemeinde ein Neubau der Hauptorgel durch die Firma Förster & Nikolaus aus Lich in Hessen in Angriff genommen, der von dem damaligen Organisten Arno Schönstedt initiiert und geplant wurde. Die Intonation erfolgte durch Fritz Abend. Die Disposition, die “die Ergebnisse der nun fast drei Jahrzehnte währenden Orgelbewegung klanglich konzessionslos mit bewusster Betonung des vor allem liturgisch zu gebrauchenden Instruments berücksichtigt”, wurde nach langen Verhandlungen verwirklicht, zunächst “nach klassischem Vorbild in drei Etagen: BW, HW, OW, dahinter unten die große Pedallade, oben die kleine Pedallade. Es sind damit auch die konstruktiven Voraussetzungen für einen werkgerechten Orgelklang erfüllt.” (Arno Schönstedt). Man baute in äußerst funktionssicherer elektrischer Kegelladenbauweise, über die Schönstedt schrieb: “... in ihrer Arbeitsweise in nichts den Schleifladen nachzustehen brauchen, bei einem solchen großen Instrument jedoch erhebliche Vorteile besitzen, sofern sie wie in diesem Falle, mit elektrischer Traktur verbunden sind.” Der Manualumfang wurde unerklärlicherweise von C bis f3 festgelegt, was die Ausführung eines großen Teiles der Orgelliteratur nach 1860 fast unmöglich macht. Jüngste Recherchen von Fabian Brackhane habe ergeben, dass einige Pedalregister (Prinzipalbass 16`, vermutlich Subbass 16’, Quintbass 10 2/3`, Oktavbass 8’, Gedacktbass 8’ und die Becher der Posaune 16’) in hohem Maße historisches Material der Vorgängerorgeln von 1869/90 enthalten. Es sind somit die ältesten Pfeifen Herfords und die einzigen Pfeifen des Herforder Orgelbauer Meyers, die im Stadtgebiet erhalten sind. 1961 wurde die Orgel dann um ein durch den Herforder Kaufmann Wolfgang Tengelmann gestiftetes Rückpositivs durch die Erbauerfirma erweitert. Ein neues, von Wulf Knipping entworfenes Gehäuse wurde gebaut und dabei ein Austausch der Prospektpfeifen der Oktave 16' (HW) mit Rundlabien gegen einen enger mensurierten Prinzipal 16' mit Spitzlabien vorgenommen. Eine geringfügige Umdisponierung und “Klangschärfung” im Sinne der 60er Jahre sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
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Auf dieser Orgel hat, besonders zu Zeiten von Münsterorganist Arno
Schönstedt, eine immense Riege weltbekannter Organisten, auch die großen Virtuosen aus dem Paris der 50er und 60er Jahre, konzertiert. 1992 wurde die Orgel nach Plänen von Münsterkantor Hartmut Sturm durch Orgelbau
Steinmann aus Vlotho umdisponiert, im Hauptwerk wurde Zink 2-4 fach durch ein hochgebänktes Cornet 5fach ab g° 8’ ausgetauscht, es wurde eine Koppel IV/III eingebaut und das Brustwerk wurde vollkommen umgestaltet
und bekam folgenden Klangaufbau:
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So präsentierte sich die große Orgel im Herforder Münster aus musikalischer Sicht als ein Konglomerat aus vier ähnlich neobarock disponierten Werken mit einem unvollkommenen, schwellbaren Brustwerk. Das Fehlen von fis3 und g3 in den Manualen II, III und IV und das Auftreten von Verschleißerscheinungen und eklatanten Sicherheitsmängeln, besonders in der gesamten Elektrik des Instrumentes aus den Jahren 1949/50 ließen Gedanken an eine technische Instandsetzung aufkommen. Zudem wurde die Orgel durch eine längere Zeit andauernde Westfassadenrenovierung in den Jahren 2001/02 stark verschmutzt und alle Holz und Lederteile waren mit Schimmel überzogen. Dagegen hat das Instrument eben auch auffallende Qualitätsmerkmale aufzuweisen: Eine grundsolide Konstruktion von Windladen, Gehäuse und tragenden Teilen, störungsfrei arbeitende Trakturen und Ventile und eine, besonders in den Grundstimmen, tragende und raumfüllende Mensurierung. Auch besitzt sie im Bereich der Zungen und Aliquoten manch geschmackvoll intoniertes, orgelbewegtes Original, das heute nicht mehr so gebaut wird. So entstanden im Laufe der Jahre auf Initiative von Münsterkantor Stefan Kagl in Zusammenarbeit mit zahlreichen konzertierenden Gastorganisten Pläne, das Instrument technisch und musikalisch zu überarbeiten.
Renovierung und Erweiterung der Orgel 2006
Eine Generalreinigung, ein kompletter Austausch der elektrischen Anlagen samt allen Kontakten und Magneten und die Umstellung auf 24 Volt sowie der Ausbau aller Manuale bis g3 waren der Ausgangspunkt der Überlegungen. Die Klangsubstanz der Orgel sollte, bis auf zwei sehr hohe Mixturen aus den 60er Jahren erhalten bleiben. So wurden behutsam Register innerhalb der Manuale getauscht, gerückt oder umintoniert, ganz oder teilweise neu gebaut, um die klanglichen und musikalischen Möglichkeiten des Instruments zu erweitern. Das zeittypische, geschwungene Design des Spieltisches sollte bewahrt werden, ohne jedoch auf die modernen Spielhilfen einer elektrischen Orgel zu verzichten. Die Arbeitsgemeinschaft der Orgelbaumeister Michael Jocher und Jean Paul-Edouard (als leitender Intonateur) hat nach einer beschränkten Ausschreibung den Auftrag erhalten. Dr. Hans-Christian Tacke, der zuständige Orgelsachverständige schreibt in seinem Gutachten zu den Dispositionsänderungen und klanglichen Veränderungen: “Die Disposition stellt sich nach dem Umbau wesentlich geschlossener als zuvor dar. Das Gesamtkonzept bringt durch den Umbau des Oberwerks zu einem großen Schwellwerk und der Neuordnung nach chorisch-symphonischen Gesetzmäßigkeiten große Vorteile mit sich, die sich vor allem durch eine enorme Verbreiterung der stilistischen Vielfalt bemerkbar machen werden. Endlich wird eine gültige Interpretation des reichen Orgelmusikschaffens des 19. und 20. Jahrhunderts möglich. Anzusprechen ist vor allem die französische Literatur zwischen etwa 1870 und 1980. Die Bereicherung mit Grundstimmen (32’ im Pedal und 8’ im Manual), sowie durch die neuen Zungenchöre zu 32’, 16’, 8’, 4’ erhält die Orgel die nötige Gravität und einen “Kathedralenklang”, der dem Herforder Münster angemessen ist. Die klangliche Präsenz des Instrumentes wird sich verbessern und der Orgelmusik im Münster künftig eine sehr große Aufmerksamkeit garantieren. Die gesamten Verbesserungen können mit einem – in Abwägung zwischen Aufwand und Wirkung – absoluten Minimalaufwand erreicht werden, da nur 5 Register komplett neu gebaut werden müssen, dazu noch 48 Pfeifen von 4 anderen Registern. Durch die Verwendung eines gebrauchten Registers und die neuen Zungenblättchen für die wieder verwendeten Linguale, sind die Neubaumaßnahmen am Pfeifenwerk bereits vollständig beschrieben. Alle weiteren Dispositionsveränderungen kommen ausschließlich durch sinnvolle Registerumstellungen zustande. Dies ist eine große Leistung der Planung und lässt sich als ausgesprochen ökonomisch bezeichnen.”
Weiterhin ist der Einbau einer ausgebauten englischen Hochdrucktuba extern an der Südmauer der Westempore durch die Orgelbaufirma Siegfried Schmid projektiert. Dies alles ist erst durch die großzügige Hilfe vieler ansässiger Firmen, Stiftungen und die zahlreichen Einzelspenden Herforder Bürger möglich geworden. Der Herforder Orgelsommer hat vielen Menschen dieses Instrument durch zahlreiche Konzerte wieder ins Bewusstsein gerückt und dadurch Anreiz gegeben, dieses Projekt zu verwirklichen. Dafür sei Allen sehr herzlich Dank gesagt ! Stefan Kagl.
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© HERFORDER MÜNSTERCHOR Stefan Kagl
Münsterkirchplatz 2, 32052 HERFORD
e-mail: muensterkantor.herf@teleos-web.de
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